Nachrichten von einer Unbekannten
Überraschender 4.Platz in Slovenien
Wir schreiben das Jahr 2000. Wie eine Oase mitten in der deutschen Wüste
liegt Gießen. Dabei
sieht es in fast allen umliegenden Ländern wesentlich üppiger
aus: Holland, England, Belgien, Italien, Jugoslawien, Slowenien, Ungarn, Türkei
und vor allem im Land des Vize-Weltmeisters Frankreich (Informationen zur letzten
WM: http://www.isw.com.au/uwh). Das führt dazu, dass die Giessener
Hochschulsportgruppe verstärkt durch ehemalige Giessener und notfalls öfters
auch durch Belgiern, Franzosen, Engländern oder Ungarn, sehr weite Reisen
unternehmen, um mit anderen den sportlichen Vergleich anzustellen. Die Rede
ist hier von „Underwater-Hockey“ oder „Octopush“, wie die Hauptbegründer
aus England diesen Sports bevorzugt nennen. Wer jetzt meint, das Ganze wäre
sicher ein Scherz und – sicherlich eine absolut albernen und lächerlichen
Sportart, der sollte diese Vorstellungen schnell über Bord werfen und einen
genaueren Blick ins Wasser wagen.
Die Spielidee ist gut durchdacht und hat sich in den letzten 50 Jahren zu einem
faszinierenden Wettkampfsport entwickelt, der sich weltweit wesentlich weiter
verbreitet hat, als das deutsche Unterwasser-Rugby und im Gegensatz dazu, ist
UW-Hockey ein absoluter „Non-Contact Sport“, sehr schnell, taktisch und vor
allem technisch anspruchsvoll, bei dem Frauen den Männern nicht unterlegen
sind und man ohne Würgen, Kratzen und Treten grenzenlos Spaß haben
kann.
So gut wie jeder, der dieses Spiel verstanden hat, ist begeistert. Wer sich
von den hohen Ansprüchen des Spiels, vor allem dem viel Übung erfordernden
„Flicken“ (=Schießen) nicht abschrecken lässt und statt dessen versucht
sich zu verbessern, wird wohl niemals, sobald sich die ersten Erfolgserlebnisse
einstellen, mit UW-Hockey aufhören wollen. Der Suchtfaktor ist enorm. Glücklicherweise
ist ein hohes Alter auch absolut kein Grund den Schläger an den Haken zu
hängen. Wer einmal das Händchen für die richtige Puckkontrolle
bekommen hat, kann ungestüme Gegner leicht mit ein paar Haken ziemlich
alt aussehen lassen.
Seit drei Jahren sind ein paar Giessener Unterwasser-Rugby Spieler ihrem Sport
leicht untreu geworden und haben das Angebot des Hochschulsports um „UW-Hockey“
bereichert. Gespielt
wird jedoch nicht nur unter sich, im etwas kleinen Uni-Schwimmbad, sondern auch
auf internationalen Turnieren. In Deutschland hat bisher noch kein Turnier stattgefunden,
doch vielleicht gibt es in diesem Jahr schon eine Premiere – vielleicht sogar
in Gießen. Im Jahr 1997 bei den Europameisterschaften in Reims (Frankreich),
dann 1998 bei den Weltmeisterschaften in San Jose´ (USA). In den
letzten 2 Jahren hat die Gruppe an Turnieren in Frankreich, Holland, Italien
und Slowenien teilgenommen. Leider wird UW-Hockey wohl nicht zur Sportart des
Millenniums werden, weil das Publikum das Geschehen nur am Bildschirm oder durch
die eigene Tauchermaske verfolgen kann. Der wohl größte Traum aller
UW-Rugby und Hockey Spieler, nämlich in einem komplett gläsernen Becken
zu spielen wird wohl in der nächsten Zukunft nicht in Erfüllung gehen
und dem Rest der Menschheit wird weiter verborgen bleiben, wie ästhetisch
und spannend diese Sportarten sind.
Giessener und Ex-Giessener Unterwasser-Hockey Spieler, die unterstützt
wurde von 2 Belgiern und 1 Französin erreichten in Kranj (Slowenien) bei
dem diesjährigen Unterwasserhockey Gedächtnisturnier einen sehr
guten 4. Platz.
Trotz eines grauenhaften Frühstücks und einer teilweise über 1000
Kilometer langen Autofahrt am Vortag und der Bezahlung der hohen Turnierkosten,
war die Stimmung hervorragend. Dieses
Jahr waren wieder einmal Mannschaften aus vielen verschiedenen europäischen
Ländern ins Olympiabad gekommen und die Chance auf ein paar Siege zu wurde
aufgrund der starken Konkurrenz und der eigenen Situation als sehr gering eingeschätzt.
Dennoch wurde gleich beim ersten Spiel alles gegeben und gegen einen in allen
Belangen überlegenen Gegner war die recht knappe Niederlage schon ein großer
Erfolg. Der
nächste Gegner war etwas schwächer, aber das eigene Spiel-Niveau
vom vorherigen Spiel blieb bestehen und so wurde es ein deutlicher Sieg.
Am Abend hatte das bunt zusammengewürfelte Team, ohne jegliche Spielpraxis
sogar das Halbfinale erreicht. Leider war gegen die restlichen drei hochklassigen
Gegner nichts zu machen. Die
Spieldauer war weiter verkürzt worden, so dass der einzige Vorteil, nämlich
die vom UW-Rugby Training kommende Ausdauer, genommen war.
Klar wurde wieder mal, dass dem Sport viel zu wenig Zeit und Einsatz entgegengebracht
wird und durch den Mangel an Spielern (4 in Gießen) und Trainingszeit (1
Stunde pro Woche) die Situation des UW-Hockeys in Deutschland sich wohl nicht
verbessern kann. Fernsehberichte und Zeitungsartikel haben auch keine Änderung
gebracht. Aber aller Anfang ist schwer und UW-Rugby wurde auch lange Zeit nur
belächelt und als Schwachsinn abgetan.
Zu den Bildern:
1. Jaaaaa! Gewonnen! Johannes, Miriam, Laurence, Armin, Marta im Schwimmbad
von Kranj
2. Slowenisches Festessen nach dem anstrengenden Tag. Laurence, Steven, Johannes
beim Abendessen nach dem Turnier - 10000 km entfernt von Kranj
3. Optimale Ausnutzung: Es wurden 2 UW-Hockey Duelle und ein Wasserballspiel
gleichzeitig ausgetragen. Das riesige Schwimmbad von Kranj
4. In der Ruhe liegt die Kraft – Meditation während der Spielpausen.
Jerome und Johannes
5. Unsere Belgische Verstärkung. Steven und Kris
6. Unser Team vor Slowenischer Berglandschaft:
Von links nach rechts:
Armin Rakow, Marta Oleownik, Johannes Grote, Jan Carmanns, Steven, Kris Plankaert,
Silke Janssen, Laurence Sarre, Andreas Schulz, Jerome Risch, Beate, Miriam
Asbeck